DIE ZUKUNFT NACH DER KRISE

Wir leben in einer turbulenten Zeit des Umbruchs. Umbrüche haben einen unliebsamen Begleiter: Krisen. Krisen gab es immer. Aber diese ist grundsätzlich.

In „Die Welt nach Corona“ thematisiert der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist. Hier ist ein Auszug aus seinem Text:

Unsere Gesellschaft wird durch die Krise nachhaltig verändert. Und darin liegt eine Chance – und vielleicht sind dann Dinge möglich, die wir sowieso verändern wollten. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können.

Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen. Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahrnehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!
So geht Zukunft.

www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de

Nach der Jahrtausende alten Tradition des Yoga befinden wir uns im Übergang zu einem neuen Zeitalter. Das Neu-Sein im Inneren, von dem Horx spricht, mündet in dem zeitlosen, abstrakten, unveränderlichen Sein, das immer schon war und immer sein wird. Aus ihm steuert die Intelligenz der Natur den Makrokosmos Universum und den Mikrokosmos Mensch. The knowledge to use is to attune yourself to your own inner being – the source of all the laws of nature.

Goethe formulierte in seinem Gedicht „Das Göttliche“: „Nach ewigen, ehernen, großen Gesetzen müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden.“ Immanuel Kant, einer unserer größten Denker, hat dies wie folgt auf den Punkt gebracht: „Der Mensch muss sich in die Natur schicken lassen, aber er will, dass sie sich an ihn schicken soll.“ Rousseau forderte deshalb mit einer der Grundaussagen der Aufklärung: “Zurück zur Natur“, dass wir wieder in deren Ordnungsrahmen zurück kehren. Vom kleinsten Kleinen bis zum größten Großen folgt alles den Gesetzen der Natur. Überall in der Schöpfung finden wir diese ordnende Intelligenz.

In der Bhagavad Gita, der Schrift des Yoga, steht in Kapitel 2, Vers 48: „Established in Yoga (Being), perform action“.

Wenn die menschliche Zivilisation in diese Richtung fortschreitet, gibt es eine Zukunft.